Deutsche Historismus-Bierkrüge – Ritterburgen auf dem Tisch

Im Europa des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg erlebte die Kunst des Historismus ihre Blütezeit. Der Historismus gilt als ein letztes Aufflammen aristokratischer Kunsttraditionen im Zeitalter der Industrialisierung. Charakteristisch war die bewusste Wiederaufnahme früherer Stilrichtungen sowie die Darstellung historischer Themen und Motive.

In dieser Epoche entwickelten sich auch die zylinderförmigen deutschen Bierkrüge zu kunstvollen Gebrauchsobjekten. Ihre Gestaltung ist deutlich von den architektonischen Formen mittelalterlicher Ritterburgen, Türme und Wehrbauten inspiriert. Reliefs zeigen Szenen aus deutschen Sagen, historische Darstellungen und Einblicke in das damalige Alltagsleben.

Die hier präsentierten Sammlungsstücke und verwandten Objekte verdeutlichen die enge Verbindung zwischen den historischen Bierkrügen und der europäischen Burgen- und Ritterkultur – als Ausdruck einer Wohn- und Alltagskultur, in der Funktion und Form selbstverständlich miteinander verbunden waren.

Gerade diese Verbindung macht die Bierkrüge bis heute anschlussfähig:
Als Gefäße mit klarer Formensprache und handwerklicher Substanz lassen sie sich auch jenseits ihres ursprünglichen Gebrauchs lesen – etwa als zeitlose Objekte im Wohnraum, die Geschichte tragen und neue Bedeutungen aufnehmen.